Sonntag, 11. Mai 2014

Mhm, lecker, Männer mit Manieren.

Wie bereits erwähnt, sind Tobi und ich zurzeit Freunde. ZURZEIT. Wir hatten nämlich eine sehr.. chaotische, aber doch leidenschaftliche Vergangenheit. Wir lernten uns durch Steffi kennen. Er ist der beste Freund ihres Ex', Tim. Sie hat mich - unfreiwillig! - zu einem Doppeldate mitgeschleppt. Und dafür bin ich ihr ausnahmsweise dankbar. Ausnahmsweise, weil das nicht das erste Mal ist, dass das passiert. Sie meint, mir würde etwas "Liebe" - und damit meint sie zweifellos Sex - gut tun. Deswegen steckt sie ihre Nase gaaanz tief in fremde Angelegenheiten 'rein, indem sie mich zu verkuppeln versucht. Erfolglos, bis zu diesem Tag, an dem ich sie mit ihrer damals aktuellen Flamme und seinem Homie (ich habe in diesem Fall die grammatikalische Korrektheit bewusst außer Acht gelassen, weil 'ihrem Homie' schon irgendwie komisch klingt) in eine Shisha-Bar begleiten musste. Als würde es nicht reichen, mich meiner befriedigenden Einsamkeit in meiner gemütlichen Ecke, in der ich zuhause hauptsächlich hocke, zu entziehen, nein, jetzt durfte ich auch noch in eine erstickend benebelte Bude gehen und passiv mitrauchen. Mhm, lecker, Rauch. Na vielen Dank auch, Steffi. Dankeschön. 
Wir saßen also zu viert um einen niedrigen Tisch, auf dem die ungewöhnlich große Shisha gestellt worden war. Jeder, exklusive mir, mit jeweils einem Mundstück (ist diese Bezeichnung korrekt?) in der Hand. Ich weiß nicht, was appetitlicher war. Der Anblick von Steffi und Tim, wie sie sich einander die Zunge in den Rachen stecken und sich das Gesicht wegschlecken, oder der Geruch, von dem mir mittlerweile der Kopf drehte. Außerdem lief es nicht besonders zwischen Tobi und mir. Um die Atmosphäre nicht noch peinlicher zu gestalten, entschied ich mich für einen kurzen Ausgang. 
Kurz darauf folgte mir überraschenderweise Tobi in die frische Luft, um sich zu mir zu gesellen. Anders als innerhalb dieser vier Wände, funkte es prompt zwischen uns. Dieses Gefühl, dieses unbeschreibliche Gefühl, zu vergleichen mit der puren Nervosität, trat nur bei ihm auf und bei keinem anderen. Nun standen wir also da, in der abendlichen Dämmerung, in der Kälte und starrten uns an. Wortlos. Er verschlug mir mit seinem Anblick und der Anspannung, die er mit sich brachte, die Sprache, und wie ich im Nachhinein mitbekommen habe, ich ebenso. Trotz der peinlichen Stille, wollte ich, dass dieser Moment nie aufhört. Ich genoss es einfach zu sehr, ihn anzuschauen. Diese großen, blauen Augen, die mich betrachteten, als wäre ich knuspriger Speck. Diese betonten Kieferknochen, die mich bis heute zum Sabbern zwingen. Diese Männlichkeit, die er mit lediglicher Anwesenheit ausstrahlte. Das ist der Augenblick, an dem ich von der Liebe auf den ersten Blick überzeugt war. Heute bin ich mir nicht einmal sicher, ob man das überhaupt als wahre Liebe bezeichnen kann. Mit einem leichten Kopfschütteln löste er sich von seiner Starre und fragte mich, ob mir nicht kalt sei. Nach einem kurzen Zögern nickte ich stumm, noch immer wie gelähmt, dastehend. Da er selbst keine Jacke hatte, die er mir anbieten konnte, schlug er vor, wieder hineinzugehen. Ich lehnte ab mit der Begründung, der Qualm treibe mich zu Schwindelgefühlen. Als hätte er das vorhergesehen, lud er mich ein, die Zeit in seinem Auto zu verweilen. Zu meiner Überraschung willigte ich ein, ohne groß darüber nachzudenken. Mir war bewusst, dass er mich vergewaltigen könnte oder Ähnliches, aber ich vertraute ihm. Grundlos. Und bei mir kommt so etwas nicht allzu häufig vor, besonders nicht auf die Schnelle. Außerdem hätte ich bei seiner Person bezüglich einer zärtlichen Vergewaltigung nichts einzuwenden, hehe. 
Wie ein Gentleman, der er auch ist - eine Eigenschaft, die mich absolut antörnt - hielt er mir die Tür auf und schloss sie nach meinem Einstieg vorsichtig, darauf bedacht, nicht meine Finger zu köpfen. Ich beobachtete ihn, wie er die Motorhaube umläuft und sich zu mir setzt.
Weiteres folgt.

-EΩ

P.S.: Euren Müttern alles Liebe zum Muttertag. Seid nett zu ihnen. Das war keine Bitte.

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