Ähm, ja. Das war eben unser "erstes Date". Dachte ich jedenfalls. Denn, wie es sich herausgestellt hat, war es in dem Moment wirklich nur ein Treffen unter guten Freunden. Wisst ihr, wann und wie ich das feststellen durfte? Als ich ihn auf ein BSC (=BeziehungsStatusCheck) ansprach. Mann, war das peinlich. Das war, denke ich, beim fünften Treffen. Und es ist nicht selten vorgekommen, dass wir 'rumgemacht' haben. Natürlich ging es nicht so weit, dass ich dadurch hätte schwanger werden können. So leicht bin ich mal auch wieder nicht zu haben *zwinker*. Und wenn ich ehrlich bin, hat er es nicht einmal versucht (was mich schon langsam verunsichert hat). Naja, wenigstens ist er in der Hinischt seiner damaligen Freundin treu geblieben. Ich hatte doch ein gutes Recht auf ein BSC, oder nicht?
Ich veranschauliche mal die ungefähre, äußerst peinliche Konversation:
Homeparty bei Tim, seinem besten Freund und Steffi's damaligem festen Freund.
Wir, alleine in Tim's Zimmer, in seinem Bett, beim Kuscheln. Liegt auf mir, küsst mich, meinen Mund, meinen Hals. Puh, Küsse am Hals törnen mich so abnormal an. Die eine Hand stützt ab, die andere streichelt seitlich meinen Bauch, geht in erregend langsamen Bewegungen auf und ab, streift hin und wieder meine Brüste bzw. die eine Brust, sodass ich allmählich in Wallung gerate. Im positiven, sexuellen Sinne. Ich halte mit beiden Händen den Saum seines T-Shirts fest, mit der Absicht, es ihm vom Körper zu streifen. Hält inne.
"Was ist?" Verwirrt. "Ist es nicht das, was alle Männer wollen?", denke ich unbewusst laut.
"Es ist nicht so, dass ich es nicht will. Es ist nur.."
"Es ist nur was? Und wenn wir schon beim Thema 'ungeklärte Fragen' sind, kannst du mich bitte mal über uns aufklären? Ich meine, was ist das? Was machen wir da? Und als was machen wir das?" Ich spüre meine Wut aufsteigen.
"Emily, hör zu. Ich war nicht ganz ehrlich zu dir."
Oh, oh. Was kommt jetzt? Ist er schwul und hat mich nur benutzt, um seine Heterosexualität zu beweisen? Ist er Jungfrau? Das würde mir nichts ausmachen, schließlich war ich damals ja auch noch eine.
"Es gibt da etwas, was ich dir verschwiegen habe. Nicht, weil ich dann befürchte, dich nicht ins Bett zu kriegen, was ich ganz nebenbei nicht vorhatte, sondern einfach nur, weil du mich danach nicht mehr so behandeln wirst, wie du mich jetzt behandelst."
Wie behandel ich ihn denn?
"Tobi, was ist los?", frage ich unsicher. Wir setzen uns auf.
"Also, es gibt da noch 'ne andere." Ein anderes Mädchen? "Sie studiert in einer anderen Stadt, wir führen schon länger eine Fernbeziehung. Schon lange bevor das mit uns, was auch immer das ist, angefangen hat."
Nein, sie war nicht irgendein anderes Mädchen, sie war SEIN Mädchen.
Wisst ihr, wie ich mich in diesem Moment gefühlt habe? Wie ein Fußabtreter. Wie eine zweite Matratze, die man nur aus dem Keller holt, wenn die Federn der ersten ihr eigenes Ding durchziehen und ihren eigenen Weg gehen. Wie ein Lichtschalter. Weil man ihn bedienen kann, wie und wann man will. Weil man den armen Lichtschalter kontrolliert. Und er kann nichts dagegen machen. Genau so habe ich mich gefühlt.
"Ok.", antworte ich mit einem lässigen, aber doch gespielten, Achselzucken.
"Ok?"
"Ja, ok. Ist vollkommen in Ordnung, ich hab's eh als 'ne lockere Sache gesehen."
Bitte, kauf mir das ab.
"Ehrlich?" Was höre ich denn da in seiner Stimme mitschwingen? Einen Hauch von Enttäuschung mit einem Spritzer Kränkung?
"Ja. Komm jetzt, lass uns runter zu Steffi und Tim gehen, um sie davon abzuhalten, in einem abgestürzten Zustand ungewünschte Kinder zu zeugen."
-EΩ